Diagnostik

Nur die richtige Untersuchung führt zur passenden, erfolgreichen Therapie!

Die Diagnostik des Lagerungsschwindel sollte immer vor allen anderen Diagnostischen Methoden durchgeführt werden. Die Natur ist nicht dumm und einzelne Systeme, insbesondere das Gleichgewichtsorgan, gewöhnt sich sehr schnell an neue Umstände. Gerade dieser Gewöhnungseffekt kann dazu führen, dass die Diagnostik verfälscht wird.

Zur genauen Diagnostik und Lokalisation des Lagerungsschwindels können je nach betroffenen Bogengang mehrere Verfahren angewendet werden.

Zur genaueren Überprüfung und Lokalisation des gutartigen Lagerungsschwindels des vorderen und hinteren Bogenganges eignen sich entweder die Lagerungsprüfung nach Hallpike-Stenger oder Hallpike – Dix.

Es gibt genau 5 Kriterien, die einen Lagerungsschwindel sichern (s.u.).

Hallpike Stenger Manöver

Der Patient sitzt aufrecht mit gestreckten Beinen auf der Untersuchungsliege. Der Kopf wird um 45 Grad zur betroffenen Seite gedreht. Im Anschluss erfolgt die rasche Lagerung in die Rückenlage, wobei der Kopf über das Ende der Liege herausragen muss (Kopfhängelage).

Dix Hallpike Manöver

Bei diesem Manöver sitzt der Patient aufrecht auf der Liegenkante, dem Untersucher direkt gegenüber. Der Kopf wird um 45 Grad zur Seite des nicht betroffenen Ohres gedreht. Dann wird der Patient rasch auf die erkrankte Seite gelagert Auch hierbei sollte der Kopf die Liege überragen (seitliche Kopfhängelage). Nach Abklingen der Beschwerden (Schwindel, Nystagmus) wird der Patient wieder in die Sitzende Position gebracht.

Beurteilung der Ergebnisse:

Wie bereits oben erwähnt eignen sich diese Methoden nur zur Diagnostik des vorderen und hinteren Bogengang.

Einseitiger Befall des hinteren Bogenganges:

Bei der einseitigen Erkrankung des hinteren Bogenganges kommt es nach einigen Sekunden zu einem Nystagmus (schnelle, gerichtete Augenbewegungen), der zur betroffenen Seite, also zur Erde schlägt (=“geotroper Nystagmus“). Typischer Weise ist er stark rotierend und wiest eine an- und abssteigende Phase auf. Dies entspricht auch der Schwindelempfindung. Der Schwindel und der Nystagmus dauern nicht länger als eine Minute!

Einseitiger Befall des vorderen Bogenganges:

Bei dem Lagerungsschwindel des vorderen Bogenganges handelt es sich um eine sehr seltene Form. Der Nystagmus ist entgegengesetzt zum Befall des hinteren Bogenganges. Er schlägt in Richtung des Kinns des Patienten.

Die Lagerungsprüfungen sollten recht zügig erfolgen. Abruptes Abbremsen des Kopfes erhöht die Wahrscheinlichkeit, einen Nystagmus zu sichern, aber auch die Intensität des Schwindels.

Der Untersucher sollte auf heftigste Reakionen vorbereitet sein. Der Schwindel kann zu Erbrechen führen. Die menschliche Zusprache an den Patienten ist enorm wichtig und gibt ihm zusätzlichen halt. Bedenken sie, dass sich der Patient vor den Schwindelanfällen stark fürchtet!

Erschwert wird die Untersuchung durch den Mechanismus der Habituation. Das heißt, dass sich der Nystagmus nicht immer zeigt, vor allem, wenn zuvor bereits Untersuchungen stattgefunden haben. Daher sollte die Untersuchung auf Lagerungsschwindel VOR allen anderen Untersuchungen erfolgen.

5 Kriterien nach Brandt und Steddin

  1. kurze Latenz: Der Schwindel und der Nystagmus treten nicht sofort nach Lagerung auf, sondern erst nach wenigen Sekunden (kann bis zu einer halben Minute dauern!).
  2. Dauer weniger als eine Minute: Ein gutartiger, anfallsartiger Lagerungsschwindel dauert NIE länger als eine Minute. Der Drehschwindel verschwindet innerhalb kürzester Zeit! Ein „Unwohlsein“ oder „Schwanken“ kann jedoch nach der Lagerungsprüfung oder -therapie anhalten.
  3. Es handelt sich stets um einen linear, rotierenden Nystagmus.
  4. Der Nystagmus ist reproduzierbar.
  5. Ermüdbarkeit

Befall des horizontalen Bogengangs

Der ebenfalls seltene gutartige Lagerungsschwindel des horizontalen Bogenganges weist einige Besonderheiten auf. Er wird durch eine schnelle Kopfdrehung um die Längsachse des Körper im Liegen diagnostiziert. Es zeigt sich ein horizontaler Nystagmus, der in Richtung des betroffenen Ohres schlägt. Die Intensität der Attacken sind jedoch ausgeprägter und die Dauer ist länger als bei der posterioren und anterioren Form. Zudem zeigt sich bei dieser Form keine oder nur eine eingeschränkte Tendenz zur Ermüdung.