In meiner HNO-Praxis sind es häufig Patienten über 60, die zu mir kommen und fragen: „Kann das wirklich Lagerungsschwindel sein? Ich dachte, das sei eine Krankheit für jüngere Menschen." Das Gegenteil ist richtig. Benigner paroxysmaler Lagerungsschwindel (BPPV) trifft ältere Menschen häufiger als jeden anderen — und er stellt in dieser Altersgruppe einige spezifische Herausforderungen, die im Standardartikel über BPPV nicht vorkommen.

Dieser Artikel richtet sich an Betroffene ab 60 und ihre Angehörigen. Er beantwortet vier Fragen, die in meiner Praxis immer wieder kommen: Wie hoch ist das Sturzrisiko wirklich? Darf ich mit meinen Halswirbelsäulenproblemen das Befreiungsmanöver selbst durchführen? Welche anderen Erkrankungen spielen hinein? Und könnte mein Schwindel auch von Medikamenten kommen?


Warum tritt Lagerungsschwindel ab 60 häufiger auf?

Die Einjahresprävalenz von BPPV steigt mit dem Alter deutlich: Bei Menschen zwischen 18 und 39 Jahren liegt sie bei etwa 0,5 %, bei über 60-Jährigen bei 3,4 % — das ist fast das Siebenfache.1 Schwindel überhaupt, also nicht nur BPPV, ist bei Menschen ab 60 mit rund 30 % ein sehr häufiges Symptom; nach dem 85. Lebensjahr betrifft er schätzungsweise jeden Zweiten.2

Die Ursache liegt im Innenohr. Die sogenannten Otolithen — winzige Kalkkristalle, die das Gleichgewichtsorgan zur Lagewahrnehmung nutzt — verschlechtern sich mit dem Alter in ihrer Verankerung. Hormonschwankungen in den Wechseljahren, ein im Alter häufiger Vitamin-D-Mangel und osteoporotische Veränderungen des Innenohrs sind Faktoren, die das Ablösen dieser Kristalle begünstigen. Hinzu kommt: Mit dem Alter nehmen häufig auch Komorbiditäten zu, die das Gleichgewichtssystem zusätzlich belasten.

Ein unterschätztes Problem ist die Unterdiagnose. In einer niederländischen Querschnittsstudie mit fast tausend Patienten über 70 hatten zwar 23 % Schwindelbeschwerden — trotzdem wurde bei einem erheblichen Teil keine BPPV-Diagnose gestellt, obwohl die Erkrankung behandelbar gewesen wäre.3

Warum wird BPPV bei Älteren oft zu spät erkannt?

Ältere Patienten beschreiben ihren Schwindel häufig anders als Jüngere. Statt des klassischen kurzen Drehschwindels beim Lagewechsel klagen sie eher über unspezifische Gangunsicherheit, Benommenheit oder ein diffuses Schwankungsgefühl.42 In einer großen chinesischen Fallstudie (n=12.282 BPPV-Patienten) hatten 40,5 % der Patienten ab 65 Jahren atypische Symptome — verglichen mit 35,5 % bei jüngeren Patienten.4 Außerdem erhielten ältere Patienten die Diagnose häufiger erst nach mehr als 14 Tagen (35,4 % gegenüber 28,4 % bei Jüngeren).4

Diese Diagnose-Verzögerung ist nicht trivial. Je länger BPPV unbehandelt bleibt, desto länger bestehen Gangunsicherheit und Sturzrisiko fort.


Sturzrisiko: Wie ernst ist die Gefahr?

BPPV und Stürze hängen direkt zusammen — und das Risiko ist messbar. Ein systematischer Review mit Meta-Analyse (25 Studien, über 1.000 BPPV-Patienten) hat gezeigt: BPPV erhöht die Wahrscheinlichkeit eines Sturzes mit einem Odds Ratio von 2,34 (95-%-Konfidenzintervall 1,46–3,75).5 Das bedeutet: Im Durchschnitt ist die Sturzwahrscheinlichkeit bei BPPV mehr als doppelt so hoch wie ohne die Erkrankung.

Gleichzeitig gehen BPPV-Patienten langsamer — ebenfalls signifikant messbar gegenüber gleichaltrigen Gesunden.5 Das ist keine Einbildung, sondern ein objektivierter Gangbefund.

Die gute Nachricht: Das Repositionsmanöver bessert auch diese Gangparameter. Nach erfolgreicher Behandlung verbesserte sich die Gehgeschwindigkeit signifikant, und das Selbstvertrauen in die eigene Bewegungssicherheit stieg deutlich — auf einer etablierten Skala zur Gleichgewichts-Sicherheit (ABC-Score) von durchschnittlich 60,5 % auf 83,7 %.5 Aber: Nicht alle Gangdefizite verschwinden nach dem Manöver vollständig. Besonders beim Tandemgang und beim Gehen mit gleichzeitigen Kopfbewegungen blieben in Studien auch nach erfolgreicher Repositionierung Defizite bestehen.5 In diesen Fällen ist eine ergänzende vestibuläre Rehabilitation sinnvoll.

Konkrete Verhaltensregeln im Alltag bei bestehendem BPPV

Solange ein Lagerungsschwindel-Anfall noch ausgelöst werden kann, empfehle ich meinen Patienten folgende Vorsichtsmaßnahmen:

Beim Aufstehen aus dem Bett: Setzen Sie sich zunächst an die Bettkante und warten Sie 20 bis 30 Sekunden, bevor Sie aufstehen. Der Schwindel klingt meist innerhalb dieser Zeit ab. Stehen Sie dann langsam auf und halten Sie sich zunächst fest.

Nachts: Gerade nachts, wenn man verschlafen und schlecht koordiniert ist, sind Stürze besonders gefährlich. Lassen Sie eine Lampe oder Nachtlicht brennen, damit Sie beim Aufstehen orientiert sind. Halten Sie den Weg zur Toilette frei. Rutschmatten im Bad sind sinnvoll.

Treppensteigen: Halten Sie sich am Geländer fest. Wenn Sie spüren, dass ein Schwindelanfall beginnt, bleiben Sie stehen.

Wann ist eine Sturzprophylaxe-Beratung sinnvoll? Wenn Sie wegen Ihres Schwindels bereits einmal gestürzt sind, wenn Sie sich im Alltag dauerhaft unsicher fühlen oder wenn das Manöver den Schwindel nicht vollständig beseitigt hat, sollten Sie Ihren Arzt auf eine weiterführende Sturzprophylaxe-Beratung ansprechen. Das kann die Verordnung einer vestibulären Rehabilitation einschließen, aber auch eine ergotherapeutische Wohnungsbegehung.


Das Befreiungsmanöver im Alter: Was geht, was braucht ärztliche Begleitung?

Das Epley-Manöver — die Standardbehandlung beim posterioren BPPV — ist grundsätzlich auch für ältere Patienten geeignet. Studien schließen regelmäßig ältere Patienten ein, und die Wirksamkeit ist belegt. Trotzdem gibt es Situationen, in denen die ältere Altersgruppe besondere Überlegungen erfordert.

Wenn die Halswirbelsäule eingeschränkt ist

Das Epley-Manöver erfordert eine passive Bewegung des Kopfes in Streckung, Seitneigung und Rotation. Bei Menschen mit bekannten Halswirbelsäulenproblemen stellt sich die Frage, ob das risikolos möglich ist.

Die internationale Fachliteratur — darunter die US-amerikanische Leitlinie der AAO-HNS6 — benennt als Kontraindikationen für Repositionsmanöver: instabile Halswirbelsäule, schwere Nackenpathologien, Zustand nach Halswirbelsäulenfraktur oder -operation sowie hochgradige Karotisstenose. Eine numerische Grenze — etwa „ab Grad X der Arthrose" oder „ab Bewegungseinschränkung von Y Grad" — gibt es in der Literatur nicht.7 Das entspricht dem aktuellen Evidenzstand: Es handelt sich um Expertenmeinung und Einzelfallentscheidung, nicht um eine klar definierte Schwelle.

Was bedeutet das praktisch? Eine leichte Halswirbelsäulenarthrose, wie sie bei vielen Menschen über 60 vorkommt, ist in der Regel kein Hindernis. Eine schwere Spondylarthrose mit ausgeprägten neurologischen Symptomen, ein bekanntes Myelopathiesyndrom oder ein Zustand nach Halswirbelsäulenoperation sind Situationen, in denen Sie das Manöver nicht eigenständig durchführen sollten, sondern ärztliche Begleitung benötigen.

Meine Empfehlung für die Praxis: Wenn Sie sich über Ihre Halswirbelsäule unsicher sind, führen Sie das Manöver das erste Mal nicht allein zu Hause durch. Lassen Sie es in der Praxis unter Beobachtung zeigen. Ihr Arzt kann im Einzelfall beurteilen, ob Modifikationen sinnvoll sind.

Gibt es schonendere Alternativen?

Beim horizontalen BPPV (Canalolithiasis des horizontalen Bogengangs) ist das Barbecue-Rollmanöver (auch Lempert-Manöver genannt) die Standardbehandlung — dieses Manöver erfordert keine relevante Nackenstreckung und ist daher bei HWS-Einschränkungen mechanisch weniger belastend.

Eine andere Option: das Semont-Manöver als Alternative zum Epley-Manöver. In manchen Fällen ist es bei eingeschränkter Halswirbelsäulenmobilität besser durchführbar, weil die Halsdrehung in einer anderen Ausgangslage erfolgt. Ob und wie das Manöver angepasst werden kann, ist eine Frage, die Sie am besten in der Praxis klären — schriftliche Anleitungen können eine ärztliche Einschätzung Ihrer individuellen Beweglichkeit nicht ersetzen.

Zur Schritt-für-Schritt-Durchführung der Standardmanöver finden Sie Anleitungen unter Das Epley-Manöver und Das Semont-Manöver.


Komorbiditäten: Welche Begleiterkrankungen spielen hinein?

Ältere BPPV-Patienten sind selten „monokausal krank". In der erwähnten chinesischen Studie hatten 41,8 % der Patienten ab 65 Jahren gleichzeitig Bluthochdruck, 13,2 % Diabetes, und ein erheblicher Teil wies zwei oder mehr Begleiterkrankungen auf.4 Diese Komorbiditäten verändern selten die BPPV-Behandlung direkt, können aber die Symptomwahrnehmung, die Sturzgefahr und die Diagnosestellung beeinflussen.

Vitamin D und Osteoporose

Ein niedriger Vitamin-D-Spiegel ist bei BPPV besonders im Alter ein relevanter Faktor. Es gibt Hinweise aus mehreren klinischen Studien, dass eine Vitamin-D-Supplementierung bei Patienten mit Vitamin-D-Mangel die BPPV-Rezidivrate senken kann.89 Ein Vitamin-D-Mangel ist bei älteren Menschen häufig — die Synthese in der Haut nimmt mit dem Alter ab, und Mangelzustände gehen oft unbemerkt einher.

Ob eine Vitamin-D-Substitution für Sie sinnvoll ist, sollte Ihr Hausarzt oder Internist beurteilen. Eine einfache Blutuntersuchung zeigt, ob ein Mangel vorliegt. Die Entscheidung zur Supplementierung und die Dosierung gehören in ärztliche Hände.

Osteoporose — bei Frauen nach der Menopause besonders häufig — und BPPV treten gemeinsam auf, vermutlich über gemeinsame pathophysiologische Mechanismen (Kalziumstoffwechsel, Vitamin D).2 Wenn Osteoporose bekannt ist, ist das ein weiterer Grund, den Vitamin-D-Status überprüfen zu lassen und Stürze konsequent zu vermeiden: Bei Osteoporose kann auch ein leichter Sturz eine Fraktur verursachen. Wenn Ihr Lagerungsschwindel immer wieder kommt, ist ein Vitamin-D-Check besonders sinnvoll.

Residualschwindel nach dem Manöver: bei Älteren ausgeprägter

Auch nach erfolgreichem Repositionsmanöver klagen viele Patienten noch Tage bis Wochen über ein diffuses Schwankgefühl — den sogenannten Residualschwindel. Dieser ist kein Zeichen, dass das Manöver nicht gewirkt hat, sondern eine bekannte Begleiterscheinung des Heilungsprozesses. In einer Untersuchung an Patienten mit einem Durchschnittsalter von gut 60 Jahren trat Residualschwindel bei 61 % der erfolgreich behandelten Patienten auf, mit einem medianen Verlauf von 10 Tagen.10 Höheres Alter war in dieser Studie ein Risikofaktor für längeren Residualschwindel.

Das bedeutet: Rechnen Sie damit, dass der Schwindel nicht von einem Tag auf den anderen komplett verschwunden ist — das ist normal und kein Grund zur Sorge. Persistiert er über drei bis vier Wochen deutlich, sprechen Sie Ihren Arzt an. Mehr zur Frage, wie lange Lagerungsschwindel dauert, finden Sie im verlinkten Artikel.

Parkinson und ähnliche Erkrankungen

Morbus Parkinson und verwandte Erkrankungen des Nervensystems beeinträchtigen das Gleichgewichtssystem unabhängig vom BPPV und erhöhen das Sturzrisiko erheblich. Gleichzeitig können bei Parkinson eingesetzte Medikamente wie Levodopa Schwindel mitverursachen. Die Kombination von BPPV und Parkinson erfordert in jedem Fall ärztliche Begleitung — eine eigenständige Heimbehandlung ist in dieser Konstellation nicht ratsam.


Medikamenten-Schwindel vs. BPPV: Wie unterscheide ich das?

Viele ältere Patienten nehmen mehrere Medikamente gleichzeitig ein. Schwindel ist eine der häufigsten Nebenwirkungen, die in Beipackzetteln aufgeführt wird. Bei einer Polypharmazie — ab etwa fünf gleichzeitigen Medikamenten — steigt das Risiko deutlich.

Häufige schwindelfördernde Substanzklassen

Einen orientierende Überblick über häufig gemeldete schwindelfördernde Medikamente liefert die Fachliteratur zu Arzneimittelnebenwirkungen:11

  • Antiepileptika (z. B. Carbamazepin, Oxcarbazepin, Lamotrigin): häufig als Schwindel-Auslöser gemeldet, auch bei für andere Indikationen eingesetzten Antikonvulsiva
  • Antihypertensiva (z. B. Kalziumantagonisten, ACE-Hemmer): können über Blutdruckabfall Schwindel verursachen — besonders beim Aufstehen
  • Benzodiazepine und verwandte Schlaf- und Beruhigungsmittel: wirken direkt dämpfend auf das vestibuläre System
  • Antidepressiva (SSRI, manche Trizyklika): Schwindel, besonders in der Eingewöhnungsphase
  • Diuretika (Entwässerungsmittel): können über Volumenmangel oder Elektrolytverschiebungen Schwindel mitverursachen

Wichtiger Hinweis: Diese Liste ist kein Grund, Medikamente eigenmächtig abzusetzen. Das kann gefährlich sein. Wenn Sie vermuten, dass eines Ihrer Medikamente Schwindel mitverursacht, sprechen Sie das mit Ihrem Hausarzt oder dem verordnenden Facharzt an.

Vestibularsuppressiva: im Alter besonders problematisch

Ein eigenes Problem betrifft die Behandlung des BPPV-Schwindels mit Medikamenten, die Schwindel und Übelkeit dämpfen (sogenannte vestibuläre Suppressiva) — zum Beispiel Dimenhydrinat oder Benzodiazepine. Diese Mittel verschleiern die Symptome, verlangsamen aber die natürliche vestibuläre Anpassung des Gehirns und helfen dem Innenohr nicht bei der eigentlichen Ursache. Die US-amerikanische BPPV-Leitlinie empfiehlt ausdrücklich, BPPV nicht routinemäßig mit Vestibularsuppressiva zu behandeln.6 Bei älteren Patienten gilt das erst recht — diese Substanzen erhöhen zusätzlich das Sturzrisiko und können kognitive Beeinträchtigungen verstärken.

Wie unterscheide ich Medikamenten-Schwindel von BPPV?

Die wichtigste Unterscheidungshilfe ist das Muster:

BPPV Medikamenten-Schwindel / orthostatische Hypotonie
Auslöser Bestimmte Kopfpositionen, Drehen im Bett, Bücken Aufstehen aus dem Sitzen oder Liegen (OH), kein klarer Lageauslöser (Medikamente)
Dauer des Anfalls 20–40 Sekunden, dann vorbei Sekunden beim Aufstehen (OH) oder anhaltend diffus (Medikamente)
Im Liegen / Sitzen Kein Schwindel in neutraler Position Oft besser beim Hinlegen (OH), oder konstant (Medikamente)
Zeitliche Relation Unabhängig von Medikamenteneinnahme Beginn oder Verschlechterung nach Medikamentenwechsel

Orthostatische Hypotonie: häufige Begleiterin

Orthostatische Hypotonie — ein kurzfristiger Blutdruckabfall beim Aufstehen — ist im Alter sehr häufig und kann Schwindel verursachen, der dem BPPV ähnelt. Das Muster ist typischerweise: Schwindel oder Schwarzwerden vor Augen beim Aufstehen aus dem Liegen oder Sitzen, Besserung nach wenigen Sekunden oder Minuten, kein Schwindel beim Umdrehen im Bett in Rückenlage. BPPV hingegen wird durch Kopfpositionen auch im Liegen ausgelöst — das Drehen zur Seite, das Hinlegen, das Aufblicken.

Beide Erkrankungen können gleichzeitig bestehen, besonders bei älteren Patienten mit Bluthochdruckmedikation.12 Das macht die Selbstdiagnose schwierig. Wenn Sie nicht sicher sind, welches Muster bei Ihnen vorliegt, ist ein Arztbesuch zur Klärung wichtig.


Wann zum Arzt?

Bei Lagerungsschwindel im Alter gilt der Grundsatz: Beim ersten Auftreten immer zuerst zum Arzt. Die Diagnose muss per Dix-Hallpike-Test gesichert werden, bevor eine Selbstbehandlung begonnen wird.

Suchen Sie zeitnah einen HNO-Arzt oder Hausarzt auf, wenn:

  • Sie zum ersten Mal Drehschwindel erleben — auch wenn das Muster klassisch klingt
  • Sie das Manöver bereits kennen, es aber nach mehreren Versuchen keine Wirkung zeigt
  • Der Schwindel nach einem Sturz oder Kopftrauma aufgetreten ist
  • Sie sich wegen Ihrer Halswirbelsäule nicht sicher sind, ob Sie das Manöver eigenständig durchführen können
  • Sie den Schwindel nicht sicher einem Lagewechsel zuordnen können

Sofort den Notruf 112 rufen, wenn der Schwindel begleitet wird von Sprachstörungen, Sehstörungen, Taubheitsgefühlen oder Schwäche in Arm oder Bein, plötzlich starken Kopfschmerzen oder schwerem Schwanken beim Gehen. Diese Symptome können auf einen Schlaganfall hinweisen. BPPV verursacht keine dieser Symptome. Im Alter sollte die Hemmschwelle für den Notruf niedrig sein.

Einen ausführlichen Stufenplan für die Arzt-Entscheidung — auch für jüngere Patienten — finden Sie unter Wann zum Arzt bei Lagerungsschwindel?


Häufige Fragen

Darf ich mit Halswirbelsäulenarthrose das Epley-Manöver selbst durchführen?

Das kommt auf den Einzelfall an. Leichte degenerative Veränderungen, wie sie bei vielen Menschen ab 60 vorkommen, sind meist kein Hindernis. Bei schwerer Spondylarthrose mit neurologischen Symptomen, einem Myelopathiesyndrom oder nach Halswirbelsäulenoperationen sollten Sie das Manöver nicht eigenständig durchführen, sondern zunächst ärztlich abklären lassen. Sprechen Sie Ihre Halswirbelsäulensituation vor dem ersten Manöver mit Ihrem Arzt durch.

Wie lange kann ich BPPV bei einem bekannten Rezidiv selbst behandeln?

Wenn die Diagnose BPPV bereits gesichert ist und das aktuelle Muster genauso aussieht wie bei früheren Episoden, ist eine eigenständige Heimbehandlung nach ärztlicher Erstanleitung vertretbar. Zeigt das Manöver nach zwei bis drei Wochen keine klare Besserung, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Muss ich nach dem Manöver im Bett bleiben?

Nein. Posturale Einschränkungen nach dem Manöver sind wissenschaftlich nicht belegt und werden in aktuellen Leitlinien nicht empfohlen.6 Sie dürfen sich normal hinlegen und bewegen. Vorsicht beim Aufstehen ist aber weiterhin geboten, solange der Schwindel noch nicht vollständig abgeklungen ist.

Kann ich mit unbehandeltem BPPV Auto fahren?

Das ist eine Frage, die von Ihrer aktuellen Symptomstärke abhängt, nicht pauschal zu beantworten ist und im Zweifelsfall mit Ihrem Arzt besprochen werden sollte. Wenn bei Ihnen während der Fahrt — etwa beim Schulterblick — Schwindelanfälle ausgelöst werden können, besteht eine Gefährdung für Sie und andere Verkehrsteilnehmer. Im akuten, unbehandelten Zustand sollten Sie nicht fahren.

Warum bekomme ich nach dem Manöver immer noch Schwindel?

Bei vielen Patienten — besonders im höheren Alter — bleibt nach erfolgreichem Repositionsmanöver ein diffuses Schwankgefühl für einige Tage bis wenige Wochen bestehen (Residualschwindel). Das ist kein Zeichen für ein Scheitern der Behandlung, sondern eine bekannte Phase der vestibulären Anpassung des Gehirns. Wenn die typischen kurzen, lageabhängigen Drehschwindelanfälle aber unverändert fortbestehen, hat das Manöver nicht vollständig gewirkt — dann ist ein erneuter Arztbesuch sinnvoll.

Sollte ich wegen meines Schwindels Vitamin D einnehmen?

Wenn ein Vitamin-D-Mangel vorliegt, gibt es Hinweise aus klinischen Studien, dass eine Supplementierung die Rückfallhäufigkeit von Lagerungsschwindel senken kann.89 Lassen Sie Ihren Vitamin-D-Spiegel vom Hausarzt bestimmen — die Substitution sollte nicht auf eigene Faust erfolgen, da auch zu hohe Spiegel unerwünscht sind.

Wie unterscheide ich Lagerungsschwindel von Medikamenten-Schwindel?

Der entscheidende Unterschied liegt im Auslösungsmuster: Lagerungsschwindel wird durch bestimmte Kopfpositionen oder Lagewechsel ausgelöst und dauert typischerweise 20–40 Sekunden. Medikamenten-Schwindel entsteht oft beim Aufstehen, ist anhaltender und nicht an eine bestimmte Bewegung gebunden. Ein zeitlicher Zusammenhang mit der Einnahme eines neuen Medikaments ist ein wichtiges Zeichen für Medikamenten-Nebenwirkung. Im Zweifelsfall — und das trifft auf mehrere Medikamente gleichzeitig zu — sollten Sie dies mit Ihrem Arzt besprechen.


Weiterführende Informationen zu BPPV-Grundlagen: Was ist Lagerungsschwindel? und Symptome des Lagerungsschwindels. Zu den Befreiungsmanövern: Das Epley-Manöver und Das Semont-Manöver. Wenn der Schwindel häufig wiederkommt: Lagerungsschwindel kommt immer wieder. Zur Prognose: Wie lange dauert Lagerungsschwindel?


Quellen


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  2. Balatsouras DG, Koukoutsis G, Fassolis A, Moukos A, Apris A. (2018). Benign paroxysmal positional vertigo in the elderly: current insights. Clinical Interventions in Aging. 13:2251–2266. DOI: 10.2147/CIA.S144134 PMID: 30464434. ↩︎ ↩︎ ↩︎

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