„Wie lange dauert das noch?" — das ist die Frage, die Betroffene am häufigsten stellen, wenn sie mit der Diagnose Lagerungsschwindel in meiner Praxis sitzen. Die Antwort hängt davon ab, was gemeint ist: ein einzelner Anfall, die gesamte Erkrankungsphase oder die Zeit bis zur vollständigen Rückkehr in den Alltag.

Als HNO-Arzt erlebe ich täglich, dass diese drei Zeiträume in der Wahrnehmung der Betroffenen ineinanderfließen — und dass genau diese Vermischung unnötige Sorge erzeugt. Ein Anfall dauert 20 bis 40 Sekunden. Die Erkrankung kann ohne Behandlung Wochen dauern. Mit dem richtigen Repositionsmanöver ist in der Mehrzahl der Fälle innerhalb weniger Tage Beschwerdefreiheit möglich. Diese drei Zeitrahmen sind grundverschieden, und sie verdienen jeweils eine ehrliche, konkrete Antwort.


Ein Anfall dauert 20 bis 40 Sekunden — die Erkrankung ist ein anderes Thema

Der einzelne Schwindelanfall beim benignen paroxysmalen Lagerungsschwindel (BPPV) dauert weniger als eine Minute. Meist klingt er nach 20 bis 40 Sekunden ab.1 Das gilt auch dann, wenn er sich länger anfühlt.

Diese Wahrnehmungstäuschung ist real und verständlich: In einem heftigen Drehschwindel — der Raum dreht sich, der Boden scheint wegzusacken — vergeht die Zeit anders. Was neurologisch knapp 30 Sekunden sind, kann sich wie mehrere Minuten anfühlen. Die Uhr tickt weiter, das subjektive Erleben tut das nicht immer.

Dahinter steckt eine mechanische Ursache: Winzige Kalkkristalle (Otolithen) haben sich aus ihrer Verankerung im Innenohr gelöst und befinden sich in einem der Bogengänge. Wenn der Kopf eine bestimmte Position einnimmt, bewegen sich diese Kristalle durch die Bogengangsflüssigkeit — das erzeugt den kurzen, heftigen Schwindel.2 Sobald die Kristalle zur Ruhe kommen, endet der Anfall. Das erklärt die kurze, definierte Dauer.

Was der einzelne Anfall also nicht ist: ein Anzeichen dafür, dass etwas „schlimmer wird". Er ist ein mechanisches Ereignis, das so lange endet, wie die Physik es vorgibt — und das sind Sekunden, nicht Minuten.

Die Erkrankung als solche — also der Zustand, in dem diese Anfälle immer wieder auftreten — ist eine andere Größe. Sie kann Tage bis Wochen andauern, je nachdem, ob und wie behandelt wird.


Mit Repositionsmanöver: Genesung in Minuten bis wenigen Tagen

Der wichtigste Hebel bei der Frage nach der Genesungsdauer ist die Behandlung. Ein korrekt durchgeführtes Repositionsmanöver — etwa das Epley-Manöver oder das Semont-Manöver — bewegt die verlagerten Kristalle gezielt zurück in ihre ursprüngliche Position. Das Ergebnis kann sich unmittelbar einstellen.

Wie hoch ist die Erfolgsquote?

Der Cochrane-Review zum Epley-Manöver (11 randomisierte Studien, 745 Teilnehmer) belegt: Bei einer einzigen Behandlung durch erfahrene Behandlende werden 70 bis 90 % der Betroffenen symptomfrei.3 Bei wiederholter Anwendung steigt dieser Anteil auf bis zu 92 %.4 Voraussetzung für jede Heimbehandlung ist eine gesicherte ärztliche Diagnose und eine ärztliche Anleitung zur Durchführung. Erst dann kann die Selbstbehandlung zu Hause wirksam sein, wobei der Behandlungserfolg technikabhängig ist.5

Ein direkter Vergleich zweier Manöver-Varianten liefert nützliche Zeitangaben: In einer randomisierten klinischen Studie (195 ausgewertete Betroffene) war die mittlere Zeit bis zur vollständigen Beschwerdefreiheit beim Semont-Plus-Manöver 2,0 Tage, beim Epley-Manöver 3,3 Tage.6 Bei beiden Verfahren war Beschwerdefreiheit also typischerweise nach wenigen Tagen erreicht.

Die wichtigste Botschaft: Ein erfolgreiches Repositionsmanöver verkürzt den Krankheitsverlauf von Wochen auf Tage oder sogar auf Stunden. Es gibt keinen medizinischen Grund, wochenlang auf Spontanheilung zu warten.

Weiterführende Anleitungen zu den Behandlungsverfahren finden Sie unter Das Epley-Manöver und Das Semont-Manöver.

Was gilt nach erfolgreichem Manöver?

Ein weit verbreiteter Irrtum: Betroffene glauben, nach dem Repositionsmanöver müssten sie die nächsten 24 bis 48 Stunden aufrecht sitzen und bestimmte Kopfbewegungen vermeiden. Diese Vorsichtsmaßnahmen haben sich in der Forschung nicht bewährt. Eine Meta-Analyse über elf Studien (739 Betroffene) ergab keinen statistisch signifikanten Unterschied im Behandlungserfolg zwischen denen mit und ohne solche Restriktionen.7 Die US-amerikanische Leitlinie empfiehlt ausdrücklich, auf posturale Einschränkungen zu verzichten.2

Kurz gesagt: Sie dürfen sich nach einem erfolgreichen Manöver normal verhalten — normal hinlegen, normal bewegen, normal schlafen.


Ohne Behandlung: Spontanheilung in durchschnittlich 2 bis 6 Wochen

Lagerungsschwindel ist eine selbstlimitierende Erkrankung — er heilt auch ohne Behandlung. Die Kristalle lösen sich im Verlauf der Zeit auf oder wandern eigenständig zurück. Aber dieser Prozess braucht Zeit.

Die bislang aussagekräftigsten Daten dazu liefert eine prospektive Studie mit 108 unbehandelten Betroffenen:8

  • Posteriorer BPPV (häufigste Form, hinterer Bogengang): mittlere Spontanremissionsdauer 39 Tage
  • Horizontaler BPPV (seitlicher Bogengang): mittlere Spontanremissionsdauer 16 Tage

Der Unterschied zwischen den Bogengangstypen erklärt sich anatomisch: Der horizontale Bogengang ist in bestimmten Alltagspositionen so ausgerichtet, dass die Kristalle leichter eigenständig herauswandern können als aus dem posterioren Bogengang.

Diese Zahlen beschreiben Mittelwerte. Einzelne Betroffene können schneller gesunden — oder auch länger brauchen. Was sie zeigen: Die Spontanheilung ist real, aber mit durchschnittlich fünf bis sechs Wochen beim häufigen posterioren Typ deutlich langsamer als eine erfolgreiche Manöver-Behandlung.

Die praktische Abwägung: Wer wochenlang auf Spontanheilung wartet, nimmt eine erhebliche Einschränkung der Lebensqualität in Kauf — Schwindel beim Aufstehen, beim Bücken, beim Umdrehen im Bett, bei jedem Lagewechsel. Ein gut durchgeführtes Repositionsmanöver kann diesen Zeitraum auf Tage verkürzen. Diese Abwägung lohnt sich.


Wie lange hält der Residualschwindel an?

Auch nach einem erfolgreichen Repositionsmanöver kann ein leichter, anhaltender Schwindel bestehen bleiben — obwohl die Lagerungstests bereits negativ sind und keine Kristallbewegung mehr nachweisbar ist. Dieser Residualschwindel ist kein Zeichen eines Behandlungsfehlschlags. Er ist eine bekannte, gut dokumentierte Begleiterscheinung der Genesung.

Wie häufig kommt Residualschwindel vor?

Zwischen 31 und 61 % der erfolgreich behandelten Betroffenen berichten nach dem Manöver über anhaltende Beschwerden.910 Das ist keine Seltenheit — es ist eher die Regel als die Ausnahme.

Wie lange dauert er?

In einer prospektiven Studie (49 Betroffene, mittleres Alter 60 Jahre) betrug die mittlere Dauer des Residualschwindels 16 Tage, der Median lag bei 10 Tagen.9 Die meisten Betroffenen waren innerhalb von 20 Tagen beschwerdefrei; bei allen hatte sich der Residualschwindel innerhalb von 3 Monaten aufgelöst. Die Spanne war allerdings breit: 2 bis 80 Tage.

Ein bekannter Risikofaktor: Wer lange mit der Behandlung gewartet hat — also eine längere Erkrankungsdauer vor dem Manöver hatte — trägt ein höheres Risiko für anhaltenden Residualschwindel.9 Das ist ein weiteres Argument dafür, nicht auf Spontanheilung zu warten.

Wie fühlt sich Residualschwindel an — und woran unterscheidet er sich vom Behandlungsfehlschlag?

Residualschwindel ist typischerweise ein leises, diffuses Schwankungsgefühl oder Benommenheit — kein rotierender Drehschwindel wie beim akuten Anfall. Er tritt nicht mehr klar an bestimmte Kopfbewegungen gebunden auf. Der klassische Lagerungsschwindel-Anfall ist verschwunden; was bleibt, ist ein gedämpftes Gleichgewichtsgefühl, das sich im Alltag störend, aber nicht akut bedrohlich anfühlt.

Ein Behandlungsfehlschlag sieht anders aus: Wenn das typische Muster der kurzen, lageabhängigen Drehschwindelattacken unverändert fortbesteht, hat das Manöver nicht vollständig gewirkt — und eine Wiederholung oder eine erneute ärztliche Einschätzung ist sinnvoll.

Wenn Sie sich nicht sicher sind, ob Ihr anhaltender Schwindel Residualschwindel oder ein fortbestehender BPPV ist, konsultieren Sie Ihren HNO-Arzt. Auch eine nächtliche Verschlechterung der Beschwerden kann in dieser Phase vorkommen und ist einzuordnen.

Was hilft bei Residualschwindel?

Vestibuläre Rehabilitation — gezielte Übungen zur Förderung der Gleichgewichtsanpassung — kann den Residualschwindel verkürzen. Ein randomisierter kontrollierter Versuch (118 Betroffene, 4 Gruppen) zeigte, dass vestibuläre Rehabilitation über mehr als vier Wochen den Residualschwindel und Schwindelscores signifikant stärker verbesserte als keine Rehabilitation. Emotionale Verbesserungen waren bereits nach zwei Wochen messbar.11


Rückfallrisiko: Wann und wie oft kann es wiederkommen?

Eine vollständige Genesung vom akuten BPPV-Anfall ist in der Mehrzahl der Fälle gut erreichbar. Was viele Betroffene überrascht: Das Grundrisiko für einen Rückfall bleibt bestehen — denn das Repositionsmanöver beseitigt die Symptome, nicht die zugrundeliegende Neigung der Otolithen zum Ablösen.

Die Zahlen

Die Rezidivraten variieren je nach Studie und Beobachtungszeitraum erheblich:

  • 1-Jahres-Rezidivrate: 13,7 bis 48 %12
  • 5-Jahres-Rezidivrate: 22,1 %13
  • Langzeit-Rezidivrate (6–17 Jahre Follow-up): rund 50 %14

Diese Zahlen sind nicht direkt vergleichbar: Kong et al. beobachteten über 5 Jahre, Brandt et al. über 6 bis 17 Jahre (Ø ~10 Jahre). Die höhere Rate bei Brandt2006 spiegelt den längeren Beobachtungszeitraum wider — kein Widerspruch, sondern Kontext.

Ein wichtiges Muster: Der kritische Zeitraum liegt im ersten Jahr nach dem initialen Ereignis. In der Langzeitstudie von Brandt et al. ereigneten sich 80 % aller Rückfälle innerhalb des ersten Jahres nach der Erstdiagnose.14 In einer prospektiven Langzeitstudie (548 Betroffene, bis 5 Jahre Follow-up) ereigneten sich 67,8 % aller Rezidivfälle ebenfalls im ersten Jahr.13

Das bedeutet: Wer das erste Jahr nach der Behandlung ohne neuen Anfall übersteht, hat eine günstigere Langzeitprognose.

Welche Faktoren erhöhen das Rückfallrisiko?

Einige Merkmale sind mit einem höheren Rezidivrisiko verbunden:

  • Traumatischer BPPV: Wer den ersten Lagerungsschwindel nach einem Kopftrauma entwickelt hat, trägt ein deutlich höheres Rückfallrisiko (in einer Studie 57 % gegenüber 19 % bei idiopathischem BPPV).12
  • Kardiovaskuläre Begleiterkrankungen: Bluthochdruck, Hyperlipidämie und Diabetes sind mit höheren Rezidivraten assoziiert.12
  • Morbus Menière auf derselben Seite und vorausgegangene Repositionsverfahren gelten als unabhängige Risikofaktoren.13

Was bei Rückfällen zu tun ist, beschreibt der Artikel Lagerungsschwindel kommt immer wieder ausführlich — einschließlich der Rolle von Vitamin D in der Rezidivprophylaxe.


Schlafqualität und psychisches Wohlbefinden: Wie lange bis zur Normalisierung?

BPPV beeinträchtigt nicht nur das Gleichgewicht, sondern auch die Schlafqualität und das allgemeine Wohlbefinden. In einer Fall-Kontroll-Studie (120 Betroffene, 120 Kontrollpersonen) berichteten 35 % der BPPV-Patienten über schlechte Schlafqualität — gegenüber 13,3 % in der Kontrollgruppe. Bei einer Erkrankungsdauer von mehr als 12 Monaten stieg dieser Anteil auf 57,6 %.15

Diese Beeinträchtigung verbessert sich in der Regel nach erfolgreicher Behandlung — aber nicht unbedingt sofort. Das Nervensystem braucht Zeit, um aus dem Alarmzustand herauszufinden, der durch wiederholte Schwindelanfälle erzeugt wurde.

Wenn Schwindel chronisch werden kann: PPPD

Eine Untergruppe der Betroffenen entwickelt nach einer vestibulären Erkrankung wie dem BPPV einen persistierenden postural-perzeptiven Schwindel (PPPD) — einen Dauerschwindel, der bestehen bleibt, auch nachdem der mechanische BPPV erfolgreich behandelt wurde. Der Mechanismus: Das Nervensystem hat sich auf erhöhte Wachsamkeit eingestellt und verlässt diesen Zustand nicht mehr ohne Weiteres.

Zwei Risikofaktoren stechen hervor: Ein verzögert oder gar nicht behandelter BPPV begünstigt den Übergang in einen chronischen Schwindel — besonders bei älteren Betroffenen.16 Außerdem erhöhen Ängstlichkeit als Persönlichkeitsmerkmal, erhöhte Körpervigilanz und Neurotizismus das Risiko, nach einem vestibulären Ereignis eine chronische Schwindelsymptomatik zu entwickeln.17

Wichtig: PPPD trifft nicht alle. Der Übergang von einem akuten BPPV zu einer chronischen Schwindelerkrankung ist keine Zwangsläufigkeit. Aber er ist ein Grund, BPPV frühzeitig zu behandeln und Vermeidungsverhalten aktiv entgegenzuwirken — also möglichst bald wieder normale Bewegungen aufzunehmen, auch wenn das zunächst unangenehm erscheint.

Wenn anhaltender Schwindel trotz erfolgreicher Manöver und abgeklungener BPPV-Anfälle bestehen bleibt, ist eine erneute ärztliche Einschätzung sinnvoll. In manchen Fällen ist eine vestibuläre Rehabilitation oder eine psychotherapeutische Begleitung (kognitive Verhaltenstherapie) der nächste sinnvolle Schritt.16


Praktische Timeline: Was kann ich wann wieder tun?

Die häufigste Alltagsfrage nach einem Repositionsmanöver lautet nicht „Was sagen die Studien?" — sondern: „Kann ich morgen zur Arbeit? Wann darf ich wieder joggen?"

Hier sind realistische Orientierungswerte nach einem erfolgreichen Manöver:

Sofort nach dem Manöver: Normale Alltagsaktivitäten sind erlaubt. Sie müssen nicht auf dem Sofa bleiben. Posturale Restriktionen sind nicht erforderlich.72

Rückkehr zur Arbeit: In den meisten Fällen am selben oder am nächsten Tag möglich — vorausgesetzt, die Tätigkeit erfordert keine besonderen Gleichgewichtsleistungen und keine gefährdende Arbeit in der Höhe oder an schnell laufenden Maschinen. Bei Berufen mit erhöhten Gleichgewichtsanforderungen (z. B. Gerüstarbeit, Bedienung von Fahrzeugen) ist ärztliche Rücksprache sinnvoll.

Schlaf: Normal, in Ihrer gewohnten Position. Das Schlafen auf der gesunden Seite kann nächtliche Restanfälle reduzieren — ist aber keine Pflicht.

Leichte körperliche Aktivität (Spazierengehen, Alltagsbewegung): Sofort — und empfehlenswert, weil Bewegung die vestibuläre Adaptation fördert.

Sport und körperliche Belastung: Sobald kein Schwindel mehr auftritt und Sie sich sicher fühlen. Es gibt keine pauschale Wartefrist. Bei verbleibendem Residualschwindel: mit ruhigeren Sportarten beginnen, Gleichgewichtsbelastungen langsam steigern.

Orientierungswert: Die meisten Betroffenen mit erfolgreichem Manöver sind innerhalb einer Woche wieder vollständig im Alltag aktiv. Besteht nach zwei bis drei Wochen noch deutlicher Schwindel, ist eine erneute ärztliche Einschätzung angebracht.


Wann wird es zur Chronifizierung — und woran erkennt man Warnsignale?

Von einer Chronifizierung des BPPV spricht man, wenn trotz drei oder mehr korrekt durchgeführter Repositionsmanöver keine dauerhafte Beschwerdefreiheit eintritt — also nach mehreren Wochen bis Monaten anhaltender Symptomatik.

Das ist selten, aber es gibt Hinweise, die eine weitergehende Abklärung erfordern:

Wann sollten Sie erneut zum Arzt?

  • Der typische Lagerungsschwindel (kurze, lageabhängige Drehschwindelattacken) besteht nach zwei erfolglosen Manövern fort.
  • Das Muster verändert sich: Der Schwindel hält länger als zwei Minuten an oder tritt nicht mehr eindeutig lageabhängig auf.
  • Neue Symptome kommen hinzu: Hörverlust, Tinnitus auf einer Seite, Kopfschmerzen, Sehstörungen, neurologische Ausfälle.

Die letzten drei Punkte sind keine Zeichen von BPPV. Sie können auf andere Erkrankungen hinweisen — darunter Morbus Menière, vestibuläre Migräne oder, in seltenen Fällen, zentrale Ursachen. Diese müssen ärztlich eingeordnet werden.

Sofort den Notarzt rufen, wenn Schwindel begleitet wird von:

  • Sprachstörungen, Schluckstörungen
  • Sehstörungen oder Doppelbildern
  • Taubheitsgefühlen oder Lähmungserscheinungen in Arm, Bein oder Gesicht
  • Neu aufgetretenen, ungewohnt starken Kopfschmerzen
  • Schwerem Schwanken beim Gehen

Diese Symptomkombinationen können auf einen Schlaganfall oder eine andere ernste neurologische Erkrankung hinweisen.2 BPPV verursacht keine dieser Symptome.

Mehr zur diagnostischen Einordnung und den Unterschieden zu anderen Schwindelformen finden Sie unter Symptome des Lagerungsschwindels und Was ist Lagerungsschwindel?.


Häufige Fragen

Wie lange dauert ein einzelner Schwindelanfall, und wird es schlimmer, wenn ich ihn ignoriere? Ein akuter Schwindelanfall bei Lagerungsschwindel dauert typischerweise 20 bis 40 Sekunden, maximal knapp eine Minute.1 Das Gefühl, es dauere länger, ist real — eine bekannte Wahrnehmungstäuschung bei heftigen vestibulären Reizen. Das Ignorieren eines Anfalls macht ihn nicht länger oder schlimmer. Allerdings: Je länger die Erkrankung (also der Zustand, in dem Anfälle immer wieder auftreten) unbehandelt bleibt, desto höher das Risiko für Residualschwindel und psychische Belastung.

Kann es sein, dass mein Lagerungsschwindel chronisch wird, wenn ich zu lange warte? Das ist möglich, wenn auch nicht zwangsläufig. Ein verzögert oder gar nicht behandelter Lagerungsschwindel erhöht das Risiko für persistierenden postural-perzeptiven Schwindel (PPPD) — einen Dauerschwindel, der bestehen bleibt, selbst nachdem das mechanische BPPV behandelt wurde.16 Das ist ein wichtiger Grund, die Erkrankung zeitig zu adressieren.

Nach dem Epley-Manöver bin ich sofort beschwerdefrei — ist das normal? Ja, das ist sogar erfreulich. Bei etwa 70 bis 90 % der Betroffenen tritt die Wirkung eines korrekt durchgeführten Epley-Manövers unmittelbar oder innerhalb der nächsten 1 bis 3 Tage ein.36 Manche berichten über komplette Symptomfreiheit nach wenigen Stunden, andere brauchen zwei bis drei Tage oder ein Wiederholungsmanöver. Das ist alles im normalen Bereich.

Ist es Residualschwindel oder ein Behandlungsfehlschlag? Das ist die häufigste Sorge nach einem Manöver. Der wichtigste Unterschied: Residualschwindel ist ein diffuses Schwankungsgefühl oder leichte Benommenheit — kein rotierender Drehschwindel wie der klassische BPPV-Anfall. Er tritt nicht mehr akut bei bestimmten Kopfbewegungen auf. Ein Behandlungsfehlschlag bedeutet, dass die typischen, lageabhängigen Drehschwindelattacken unvermindert fortbestehen.9 Bei Unsicherheit: Kontakt zum Arzt.

Besteht das Risiko, dass Lagerungsschwindel immer wiederkommt? Ja, das Rezidivrisiko ist real — in einer großen Langzeitstudie erlebte rund jeder fünfte Betroffene (22 %) innerhalb von fünf Jahren mindestens einen Rückfall.13 Über noch längere Zeiträume von zehn und mehr Jahren steigt dieser Anteil auf bis zu etwa 50 %.14 Das ist aber kein Scheitern der Erstbehandlung, sondern eine Folge der zugrunde liegenden Veranlagung. Die gute Nachricht: Ein Rückfall reagiert in der Regel ebenso gut auf ein Manöver wie der erste Anfall. Und der Großteil aller Rückfälle tritt innerhalb des ersten Jahres auf — wer das erste Jahr ohne erneute Beschwerden übersteht, hat bessere Chancen.


Weiterführende Informationen zur Diagnose finden Sie unter Was ist Lagerungsschwindel? und Symptome des Lagerungsschwindels. Zur Durchführung der Repositionsmanöver: Das Epley-Manöver und Das Semont-Manöver. Wenn der Lagerungsschwindel wiederholt auftritt, lesen Sie Lagerungsschwindel kommt immer wieder.


Quellen


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  2. Bhattacharyya N, Gubbels SP, Schwartz SR, et al. (2017). Clinical Practice Guideline: Benign Paroxysmal Positional Vertigo (Update). Otolaryngology–Head and Neck Surgery. 156(3_suppl):S1–S47. DOI: 10.1177/0194599816689667 ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎

  3. Hilton MP, Pinder DK. (2014). The Epley (canalith repositioning) manoeuvre for benign paroxysmal positional vertigo. Cochrane Database of Systematic Reviews. (12):CD003162. DOI: 10.1002/14651858.CD003162.pub3 ↩︎ ↩︎

  4. Reinink H, Wegner I, Stegeman I, Grolman W. (2014). Rapid systematic review of repeated application of the Epley maneuver for treating posterior BPPV. Otology & Neurotology. DOI: 10.1097/MAO.0000000000000268 ↩︎

  5. Chen X, et al. (2023). The effectiveness of the modified Epley maneuver for the treatment of posterior semicircular canal benign paroxysmal positional vertigo. Frontiers in Neurology. DOI: 10.3389/fneur.2023.1328896 ↩︎

  6. Strupp M, Mandala M, Vinck AS, et al. (2023). The Semont-Plus Maneuver or the Epley Maneuver in Posterior Canal Benign Paroxysmal Positional Vertigo: A Randomized Clinical Study. JAMA Neurology. 80(8):798–804. DOI: 10.1001/jamaneurol.2023.1408 ↩︎ ↩︎

  7. Cromwell C, Tyler J, Nobbs R, et al. (2018). The Necessity for Post-Maneuver Restrictions in the Treatment of Benign Paroxysmal Positional Vertigo: An Updated Meta-Analysis of the Literature. Otology & Neurotology. 39(6):671–679. DOI: 10.1097/MAO.0000000000001798 ↩︎ ↩︎

  8. Imai T, Ito M, Takeda N, et al. (2005). Natural course of the remission of vertigo in patients with benign paroxysmal positional vertigo. Neurology. 64(5):920–921. DOI: 10.1212/01.WNL.0000152890.00170.DA ↩︎

  9. Seok JI, Lee HM, Yoo JH, Lee DK. (2008). Residual Dizziness after Successful Repositioning Treatment in Patients with Benign Paroxysmal Positional Vertigo. Journal of Clinical Neurology. 4(3):107–110. DOI: 10.3988/jcn.2008.4.3.107 ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎

  10. Özgirgin ON, Kingma H, Manzari L, Lacour M. (2024). Residual dizziness after BPPV management: exploring pathophysiology and treatment beyond canalith repositioning maneuvers. Frontiers in Neurology. 15:1382196. DOI: 10.3389/fneur.2024.1382196 ↩︎

  11. Cui Q, Wen C, Yan J, et al. (2024). Effects of Different Durations and Frequencies of Vestibular Rehabilitation in Patients With Residual Symptoms After Benign Paroxysmal Positional Vertigo Repositioning. Annals of Otology, Rhinology & Laryngology. 133(3):307–316. DOI: 10.1177/00034894231216277 ↩︎

  12. Sfakianaki I, Binos P, Karkos P, et al. (2021). Risk Factors for Recurrence of Benign Paroxysmal Positional Vertigo. A Clinical Review. Journal of Clinical Medicine. 10(19):4372. DOI: 10.3390/jcm10194372 ↩︎ ↩︎ ↩︎

  13. Kong TH, Song MH, Shim DB. (2022). Recurrence Rate and Risk Factors of Recurrence in Benign Paroxysmal Positional Vertigo: a Single-Center Long-Term Prospective Study With a Large Cohort. Ear and Hearing. 43(1):234–241. DOI: 10.1097/AUD.0000000000001093 ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎

  14. Brandt T, Huppert D, Hecht J, Karch C, Strupp M. (2006). Benign paroxysmal positioning vertigo: a long-term follow-up (6–17 years) of 125 patients. Acta Oto-Laryngologica. 126(2):160–163. DOI: 10.1080/00016480500280140 ↩︎ ↩︎ ↩︎

  15. Iranfar K, Azad S. (2022). Relationship between benign paroxysmal positional vertigo (BPPV) and sleep quality. Heliyon. 8(1):e08717. DOI: 10.1016/j.heliyon.2022.e08717 ↩︎

  16. Madrigal J, Zuma e Maia F, Cal R, Ramos BF, Castillo-Bustamante M. (2024). Addressing the Overlapping Challenges of Benign Paroxysmal Positional Vertigo (BPPV) and Persistent Postural-Perceptual Dizziness (PPPD): Impacts and Integrated Management. Cureus. 16(10):e72019. DOI: 10.7759/cureus.72019 ↩︎ ↩︎ ↩︎

  17. Trinidade A, Harman P, Stone J, Staab JP, Goebel JA. (2021). Assessment of Potential Risk Factors for the Development of Persistent Postural-Perceptual Dizziness: A Case-Control Pilot Study. Frontiers in Neurology. 11:601883. DOI: 10.3389/fneur.2020.601883 ↩︎