Wenn das Epley-Manöver nach mehreren Versuchen keinen Erfolg bringt, gibt es eine naheliegende Erklärung: Der falsche Bogengang wird behandelt. Der häufige posteriore Lagerungsschwindel — für den das Epley-Manöver entwickelt wurde — ist nicht die einzige Form des BPPV.

Der horizontale Lagerungsschwindel ist die zweithäufigste Form und macht je nach Studie 5 bis 20 % aller BPPV-Fälle aus. Er wird im klinischen Alltag häufig übersehen, weil der Standardtest (Dix-Hallpike) vor allem den posterioren Bogengang provoziert und für die horizontale Form weniger sensitiv ist.


Wie unterscheidet sich der horizontale vom posterioren BPPV?

Der horizontale Lagerungsschwindel betrifft den horizontalen (lateralen) Bogengang. Im Vergleich zum posterioren BPPV gibt es einige wichtige Unterschiede:

Auslöser: Nicht das Hinlegen oder Aufstehen, sondern das Umdrehen im Bett von einer Seite auf die andere ist der typische Auslöser.

Verlauf ohne Behandlung: Der horizontale BPPV heilt im Spontanverlauf deutlich schneller als der posteriore — durchschnittlich nach etwa 16 Tagen (posteriorer BPPV: ca. 39 Tage). Das liegt daran, dass die Kristalle im horizontalen Bogengang anatomisch leichter wieder herausfallen.

Behandlung: Das Epley-Manöver und das Semont-Manöver sind auf den posterioren Bogengang ausgelegt und haben beim horizontalen BPPV keine Wirkung. Es werden andere Manöver eingesetzt.


Diagnose: Der Supine Roll Test

Der Supine Roll Test (auch McClure-Pagnini-Test) ist der diagnostische Standard für horizontalen BPPV:

Durchführung:

  1. Legen Sie sich flach auf den Rücken, Kopf leicht angehoben (zum Beispiel auf einem dünnen Kissen).
  2. Drehen Sie den Kopf rasch um 90 Grad nach rechts. Halten Sie die Position und beobachten Sie, ob Schwindel einsetzt.
  3. Kehren Sie in die Ausgangsposition zurück, warten Sie bis kein Schwindel mehr besteht.
  4. Drehen Sie den Kopf rasch um 90 Grad nach links. Halten Sie die Position.

Interpretation: Bei horizontalem BPPV tritt Schwindel auf beiden Seiten auf, ist aber auf einer Seite stärker. Die Seite mit dem stärkeren Schwindel ist in der Regel die betroffene Seite.

Beim Arzt wird dieser Test mit einer Videobrille durchgeführt, die den Nystagmus aufzeichnet und auswertet. Für die Selbsteinschätzung zu Hause ist das Vorhandensein von Schwindel auf beiden Seiten mit deutlichem Seitenunterschied ein guter Hinweis.


Behandlung: Das Gufoni-Manöver

Das Gufoni-Manöver ist die Behandlung der ersten Wahl beim horizontalen BPPV. Es ist einfacher und schneller durchzuführen als das Epley-Manöver und hat mit 86 bis 93 % Erfolgsrate sehr gute Ergebnisse.1

Schritt für Schritt (betroffene Seite = rechts):

Schritt 1: Sitzen Sie aufrecht auf einem Bett oder Stuhl.

Schritt 2: Legen Sie sich rasch auf die nicht betroffene Seite (links). Halten Sie diese Position 2 Minuten.

Schritt 3: Drehen Sie den Kopf — ohne den Körper zu bewegen — rasch nach unten (Richtung Boden). Halten Sie 2 Minuten.

Schritt 4: Setzen Sie sich langsam auf.

Schritt für Schritt (betroffene Seite = links): Spiegelverkehrt — auf die rechte Seite legen, dann Kopf nach unten drehen.


Behandlung: Der BBQ-Roll (Lempert-Manöver)

Der BBQ-Roll ist eine Alternative zum Gufoni-Manöver mit etwas geringerer, aber immer noch guter Erfolgsrate (61–83 %). Er eignet sich besonders, wenn die betroffene Seite nicht sicher bestimmbar ist, da er alle vier Richtungen abdeckt.

Prinzip: In Rückenlage wird der Kopf schrittweise in 90-Grad-Schritten immer in dieselbe Richtung gedreht, insgesamt um 360 Grad — wie ein Grillspieß über dem Feuer (daher der Name). Jede Position wird 30 Sekunden gehalten.

Der BBQ-Roll ist etwas aufwändiger und für die Selbstanwendung ohne Anleitung schwieriger. Beim Arzt oder Physiotherapeuten ist er gut durchführbar.


Video — Diagnostik

Dix-Hallpike-Test (zur Orientierung)


Wichtige Hinweise

Beim ersten Auftreten immer zum Arzt. Die Unterscheidung zwischen posteriorem und horizontalem BPPV ist für die Laien-Selbstdiagnostik nicht einfach. Wenn das Epley-Manöver nicht hilft, ist ein Arztbesuch zur Diagnosestellung sinnvoll — nicht um das Manöver bekommen, sondern um zu wissen, welches Manöver richtig ist.

Schnelle Spontanerholung ist möglich. Der horizontale BPPV heilt ohne Behandlung manchmal von selbst, weil die Kristalle im horizontalen Bogengang anatomisch günstig liegen. Dennoch ist die Behandlung vorzuziehen — sie verkürzt die beschwerdefreie Zeit von Wochen auf Tage.


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Quellen


  1. Casani AP et al. (2011). The Treatment of Horizontal Canal Positional Vertigo: Our Experience in 63 Cases. Audiol Neurootol. 16(3):190–196. DOI: 10.1159/000318045 ↩︎