Das Semont-Manöver ist die gleichwertige Alternative zum Epley-Manöver bei posteriorem Lagerungsschwindel. Es wurde 1988 von dem französischen Neurologen Alain Semont beschrieben und beruht auf einem anderen mechanischen Prinzip als das Epley-Manöver: Statt einer kontrollierten Abfolge von Kopfdrehungen nutzt es eine rasche, dynamische Seitbewegung des gesamten Oberkörpers, um die Kristalle in Bewegung zu bringen.
Die Erfolgsraten sind mit dem Epley-Manöver vergleichbar.
Wann ist das Semont-Manöver die bessere Wahl?
In den meisten Fällen ist die Wahl zwischen Epley und Semont eine Frage der persönlichen Verträglichkeit und der Übungserfahrung. Das Semont-Manöver hat einige spezifische Vorteile:
Bei Nackenproblemen: Das Epley-Manöver erfordert in einer Phase eine maximale Rückbeugehaltung des Kopfes über die Liegefläche hinaus. Bei Halswirbelsäulenbeschwerden kann das unangenehm oder nicht möglich sein. Das Semont-Manöver kommt ohne diese Extremstellung aus.
Wenn Epley nicht wirkt: Wenn das Epley-Manöver nach mehreren Versuchen keine Besserung bringt, ist ein Wechsel zum Semont-Manöver sinnvoll. Manche Patienten sprechen besser auf das eine, manche besser auf das andere an.1
Schnelleres Manöver: Das Semont-Manöver ist insgesamt etwas schneller durchführbar, da weniger einzelne Positionen gehalten werden müssen.
Schritt für Schritt — Rechtes Ohr
Sitzen Sie aufrecht auf dem Bett oder einer Liege, Beine hängen seitlich herunter. Wichtig: Sie müssen sich im nächsten Schritt auf die rechte Seite legen können, ohne zu fallen.
Schritt 1: Drehen Sie den Kopf um 45 Grad nach links (zur nicht betroffenen Seite). Halten Sie diese Kopfposition für das gesamte Manöver.
Schritt 2: Legen Sie sich rasch und entschieden auf die rechte Seite (die betroffene Seite). Ihr Gesicht schaut nun nach oben-links. Halten Sie diese Position 30 Sekunden — auch wenn Schwindel einsetzt. Warten, bis der Schwindel nachlässt.
Schritt 3: Schwingen Sie sich in einer einzigen, zügigen Bewegung auf die gegenüberliegende (linke) Seite, ohne die Kopfhaltung zu ändern. Ihr Gesicht schaut jetzt nach unten-links, Richtung Boden. Halten Sie diese Position 30 Sekunden.
Schritt 4: Setzen Sie sich langsam wieder auf, dieselbe Richtung (von links kommend).
Schritt für Schritt — Linkes Ohr
Schritt 1: Kopf 45 Grad nach rechts drehen.
Schritt 2: Rasch auf die linke Seite legen. Gesicht schaut nach oben-rechts. 30 Sekunden halten.
Schritt 3: In einer zügigen Bewegung auf die rechte Seite schwingen. Gesicht zeigt nach unten-rechts. 30 Sekunden halten.
Schritt 4: Langsam von rechts aufsetzen.
Videos
Semont-Manöver links — Monika Endres-Jotter
Semont-Manöver rechts — Monika Endres-Jotter
Semont-Manöver rechts — Dr. Holger Dewes
Häufige Fragen
Epley oder Semont — was ist besser?
Beide Manöver sind leitliniengerecht und haben vergleichbare Erfolgsraten. Welches besser funktioniert, ist individuell. Wenn eines nicht wirkt, ist der Wechsel zum anderen sinnvoll. Viele HNO-Ärzte und Physiotherapeuten haben eine persönliche Präferenz für das eine oder andere — das ist legitim.
Warum muss die Bewegung in Schritt 3 so schnell sein?
Die Dynamik ist beim Semont-Manöver entscheidend: Die Kristalle sollen durch die Schwerkraft und die Trägheit der Bogengang-Flüssigkeit in die richtige Richtung bewegt werden. Eine langsame Bewegung ist weniger wirksam. Wenn Sie das Manöver alleine durchführen, kann es hilfreich sein, sich vorher genau vorzustellen, wie die Bewegung abläuft — und sie dann entschlossen auszuführen.
Muss ich danach besondere Vorsichtsmaßnahmen einhalten?
Nein. Die Empfehlung, nach dem Manöver 24 bis 48 Stunden aufrecht zu sitzen oder bestimmte Kopfbewegungen zu vermeiden, ist nach aktuellem Forschungsstand nicht notwendig.2 Sie können sich danach normal verhalten.
Wenn weder Epley noch Semont Wirkung zeigen, könnte ein anderer Bogengang betroffen sein. Lesen Sie weiter: Horizontaler Lagerungsschwindel.
Quellen
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Reinink H et al. (2014). Epley’s repositioning manoeuvre for posterior canal benign paroxysmal positional vertigo. Otolaryngol Head Neck Surg. 151(1):5–6. DOI: 10.1177/0194599814536511 ↩︎
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Devaiah AK et al. (2010). Postmaneuver restrictions in benign paroxysmal positional vertigo: an individual patient data meta-analysis. Otolaryngol Head Neck Surg. 142(2):155–159. DOI: 10.1016/j.otohns.2009.10.043 ↩︎