Therapie

Bei Lagerungsschwindel sind die richtigen Übungen in der richtigen Reihenfolge bei fast 100 Prozent erfolgreich!

Für alle Typen des Lagerungsschwindels wurden so genannte „Befreiungsmanöver“ entwickelt.

Diese Übungen ermöglichen in den meisten Fällen eine rasche und für den Patienten eindrucksvolle Behandlung. Grundlage ist eine Rückführung der in den einzelnen Bogengängen „verlorengegangenen“ Teilchen aus den Bogengängen in den Utriculus.

Die häufigste posteriore und die anteriore Form können mit dem Semont- oder Epley-Manöver behandelt werden.

Wir zeigen Ihnen jetzt, wie sie mit 2 kleinen Übungen innerhalb der nächsten 10 Minuten gesund werden können!!!

Semont-Manöver

1. Schritt: Patient sitzt aufrecht vor dem Arzt auf einer Untersuchungsliege, Kopfdrehung um 45 Grad zur gesunden Seite, die betroffene Seite zeigt zum Untersucher.

2. Schritt: abrupte Seitwärtslagerung zur erkrankten Seite ohne Änderung der Kopflage, der Kopf des Patienten liegt seitlich occipital auf, Verweildauer ca. 2-3 Minuten.

3. Schritt: Aufsetzen in die Ausgangslage, Verweildauer ca. 3 Minuten.

Epley-Manöver

1. Schritt: Der Patient sitzt aufrecht mit gestreckten Beinen auf der Untersuchungsliege. Der Kopf wird um 45 Grad zur betroffenen Seite gedreht. Im Anschluss erfolgt die rasche Lagerung in die Rückenlage, wobei der Kopf über das Ende der Liege herausragen muss (Kopfhängelage). Verweildauer bis der Nystagmus und der Schwindel aufgehört hat oder mindestens eine Minute!

2. Schritt: Der Patient dreht den Kopf schnell um 90 Grad zur gesunden Seite und verweilt in dieser Position erneut ca. eine Minute.

3. Schritt: Jetzt legt sich der Patient auf die gesunde Seite und lässt den Kopf in der zuvor eingenommenen Position. Liegedauer 1 Minute!

4. Schritt: Aufsetzen in die aufrechte Sitzposition.

Die Erfolgsrate dieser Befreiungsmanöver ist sehr hoch, nahezu 100%. Nur wenige Patienten müssen mehr als zweimal behandelt werden. Rezidive kommen jedoch vor. Auch Spontanremissionen werden beobachtet.

In der Praxis trifft man selten auf therapieresistente Fälle. Im Falle einer Therapieresistenz ist eine bildgebende Diagnostik bzw. eine Vorstellung beim Facharzt für Neurologie zu empfehlen, um zentrale Störungen auszuschließen.

Sakata prägte 1971 den Begriff des malignen paroxysmalen Lagerungsschwindels, der bei zentralen Schädigungen vorkommt und 1987 den des pseudo- benignen paroxysmalen Lagerungsnystagmus, der bei Kleinhirnstörungen beobachtet wurde.

Lässt sich das Befreiungsmanöver aus Gründen extremer vegetativer Reaktionen nicht durchführen, empfiehlt sich zunächst die Durchführung des Lagerungstrainings nach Brandt und Daroff (1980).

Bei einer Therapieresistenz ohne den Nachweis einer zentralen Störung sind Occlusionsoperationen des hinteren Bogenganges durchgeführt worden.

Den Therapieerfolge prüfen wir nach ca. 48 Stunden mittels Lagerungsmanöver. Bis dahin sollten bewusst Lageänderungen vermieden werden.

Bemerkenswert ist, dass viele Patienten nach erfolgreichem Lagerungsmanöver für mehrere Stunden oder Tage einen Schwindel wahrnehmen, der einem Otolithenschwindel ähnelt und von dem beim Lagerungsschwindel empfundenen deutlich unterschieden werden kann.

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